Österreichs Weinexoten

Marianne Witzko baut selbst seit vielen Jahren in Großgmain am Fuß des Salzburger Unterbergs Wein an.

Heute mutet es ein wenig erstaunlich an, doch um das 15. Jahrhundert herum war es gang und gäbe, dass in Salzburg Wein angebaut wurde. Die Hänge am Mönchsberg unweit des Stadtzentrums und die Ländereien des Stifts Michaelbeuern waren unter anderem geeignetes Terroir. Im Lauf der Zeit ging diese Kultur verloren. Vor mehr als zehn Jahren fand jedoch eine Rückbesinnung statt. Marianne Witzko, Lehrerin für Weinkunde an der Hotelfachschule in Kleßheim und Winzerin im Nebenerwerb hat den Salzburger Weinbau nach sehr vielen Jahren wieder wachgeküsst. Heute ist sie Herrin über 4000 Rebstöcke, die auf 470 Metern Seehöhe unterhalb des Untersbergs in Großgmain wachsen.

"Der eigentliche Anstoß kam Ende der 1990er-Jahre von meinem Mann Richard. Er stammt aus der deutschen Weinregion Franken. 2001 setzten wir die ersten 3000 Rebstöcke, 2002 kamen weitere 1000 dazu", erzählt die Weinfachfrau. In den folgenden Jahren besuchte sie zur Fortbildung unter anderem die Weinakademie in Rust sowie Kurse an den Fachschulen in Klosterneuburg und Krems. Derart gerüstet, brachten sie und ihr Mann 2004 den ersten Jahrgang ein. Auf ihrem Reiterhaindlhof wachsen Chardonnay, Rheinriesling, Zweigelt, St. Laurent und Rösler (eine frostresistente Neuzüchtung aus Blaufränkisch, Zweigelt und der Hybridsorte Seyve Villard).

Die lange Vegetationsperiode und die oft vom Föhn geprägten Herbsttage begünstigen den Anbau der Reben in Großgmain. "Wir keltern einen angenehm leichten und frischen Wein. Er zeichnet sich durch eine pikante Säure und eine ansprechende kühle Fruchtigkeit aus", sagt die Winzerin weiter. Im Keller stehen nur Edelstahltanks, keine Holzfässer. Der Ausbau soll die frische Sortentypizität betonen. Die Weine tragen Namen wie "Salzburger Hochthron" - der Chardonnay, "Untersberg" - der Riesling, "Barbarossa" - der Rosé und "Juvavum" - die Rotweincuvée. Zum Hauptberuf möchte Witzko die Winzerei allerdings nicht machen. Sie liebe zwar die Arbeit im Zyklus mit der Natur und es sei ein schönes Hobby, aber die Aufgabe als Lehrerin an der Hotelfachschule sei ihr geradezu auf den Leib geschneidert. Die möchte sie nicht missen.

Hannes Reichl aus Michaelbeuern nennt Marianne Witzko die Vorreiterin des Weinbaus im heutigen Salzburg.

Bericht: SN-Beilage vom 11.02.2012

VN, 22.02.2012